Universal Remote – Kinect auch für Nicht-Spieler

Wie bereits hier angekündigt, haben wir uns die Universal Remote for Windows einmal etwas genauer angesehen:

Alex Pfeiffer

Universal Remote (entstanden aus einer Firmenkooperation zwischen Seewald Solutions, Pfeiffer-Medien und Manuel Ihl) bringt Microsofts Kinect vom Wohnzimmer direkt ins professionelle Präsentationsumfeld. Die Software gibt die Möglichkeit, beliebige Anwendungen per Gesten zu steuern. Dabei gibt es drei Versionen, die sich in der Menge der verfügbaren Gesten unterscheiden. Die Preisspanne reicht von 10 bis 100 Euro. Wobei erst die teuerste Version freie “Gestenbelegung” auf bestimmte Tasten und Tastenkombinationen erlaubt. In den anderen Versionen ist vorgegeben, welche Geste welcher Taste entspricht.

Technisch gesehen ist die Software super. Gesten werden auf Anhieb erkannt und mit einer kleinen Verzögerung umgesetzt. Die Verzögerung ist gewollt und ein veränderbarer Parameter, um sogenannte “False-Positives” – also fälschlicherweise als richtig erkannte Eingaben – zu vermeiden. Überhaupt bietet Universal Remote reichlich Einstellungsmöglichkeiten, um Geschwindigkeit und Präzision der Gestenerkennung an Userbedürfnisse anzupassen. Die Einstellungen bleiben auch wirklich optional, man muss also keine Angst vor irgendwelchen Kalibrierarbeiten haben. Zusätzlich zum “normalen” Betrieb stellt der Hersteller auch einen sehr praktischen “Near-Mode” zur Verfügung. Dieser ermöglicht die Detektion auf kleinerem Raum (nur Oberkörper sichtbar), was bei vielen Konferenzräumen wohl nötig ist.

Hier seht ihr das Ganze in Bewegung:

Zum Lob für die technische Umsetzung gesellt sich aber leider auch Tadel für Benutzerführung und Aufmachung. Beginnen wir bei der Installation. Es sind keine Kinect Treiber im Software-Paket enthalten. Dies ist kein grobes Vergehen. Benutzer, die Kinect unter Windows nutzen wollen, haben vermutlich auch schon Treiber dafür installiert. Auf der anderen Seite ist der Download der ca. 100MB großen Kinect Runtime zumindest eine kleine Unannehmlichkeit, die Dank eines direkten Downloadlinks auf der Hilfeseite noch ein bisschen abgeschwächt wird. Die Entwickler begründen den fehlenden Treiber damit, dass das Softwarebundle der Steuerung immer nur wenige MB groß ist und gleichzeitig bei Microsoft immer die neueste Treiberversion liegt.

Weiter geht es mit dem Start der Software. Es öffnet sich eine Ein-Fenster-Anwendung, was für ein Kontrollprogramm zu begrüßen ist – ganz nach dem Motto: “Keep it simple”. Leider gilt das Motto hauptsächlich für die Aufmachung. Die Grafiken in der von vorne herein angezeigten Hilfe sind schlecht skaliert. Selbst das Firmenlogo ist schwer zu lesen. Man merkt der Applikation an, dass hier zwar durchaus fähige Techniker am Werk gewesen sind, man aber an Grafikern gespart hat. Dies wirkt sich auch auf das Userinterface aus. Um die “Remote” zu starten setzt man ein Häkchen anstatt einen Start Button zu klicken. Man muss sich manuell durch eine Liste von Applikationsfenstern und anderen Bedienelementen klicken, um herauszufinden, was man eigentlich steuern möchte. Powerpoint beispielsweise besitzt über zehn verschiedene Einträge in dem angezeigten Drop-Down Menü. Glücklicherweise ist es eines von zwei Programmen – das andere ist Prezi – mit spezieller Optimierung. Es wird automatisiert erkannt, vorausgesetzt man führt die nötigen Schritte in der richtigen Reihenfolge aus. Zuerst Powerpoint starten, dann die Präsentation in den Vollbildmodus bringen und danach Universal Remote ausführen. Klingt einfach, ist es auch – für jemanden der mit Tastaturkürzel umzugehen weiß. Das Problem ist, dass der Vollbildmodus von Powerpoint die Taskleiste verschwinden lässt. Das wiederum heißt, dass man nur mit Windows Taste ins Programme-Menü kommt. Dies ist für technisch versierte Benutzer kein Problem, aber für alle anderen sollte es zumindest eine Hilfestellung geben.

Hilfestellung ist das Stichwort, um auch noch ein paar Worte über die Webpräsenz zu verlieren. Als wir den ersten Blick auf die Webseite werfen, scheint alles recht ordentlich zu sein. Die Menüs sind klar strukturiert, die Startseite wirkt aufgeräumt. Gut, da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschafft haben die linke und rechte Pfeiltaste zu bedienen, sehen wir uns die Anleitung an. Am Anfang der Seite gibt’s gleich ein kleines Einführungsvideo. Nette Sache, einzig der Ton ist dann doch etwas leise. Im Video selbst wird genau die Bewegung vorgeführt, die wir brauchen, um in Powerpoint weiter (oder zurück) zu navigieren. Okay, wir versuchen unser Glück ein zweites Mal. Leider funktioniert es wieder nicht. Wir scrollen auf der Hilfeseite ein Stück weiter nach unten. Hier noch einmal die Beschreibung: “Bei der Standardeinstellung löst eine Handbewegung von rechts nach links die rechte Pfeiltaste aus.” Verzweifelt begeben wir uns noch in die Installationshilfe. Komischerweise finden wir hier die Antwort. Die “zDepth-Einstellung” gibt an, wie weit man mit der Hand vom Körper weg sein muss, damit die Gesten erkannt werden. Aha! Wir waren einfach zu nahe am Körper dran. Dieser Frust hätte leicht vermieden werden können – mit ein wenig mehr Information zur richtigen Bewegungsausführung.

Zusammenfassend lässt sich auf jeden Fall sagen, dass die Software technisch hält, was sie verspricht. Gesten werden ohne Probleme erkannt und Präsentationen werden durch den berührungslosen Input aufgewertet. Leider ist das Setup unintuitiv und die Aufmachung erinnert an ein Sharewareprodukt. Für einfache Präsentationen ist die 10 Euro-Version ausreichend. Will man in Prezi frei navigieren, kommt man um die 50 Euro-Version nicht herum. Die 100 Euro-Version wurde für Applikations-Prototyping geschaffen. Speziell bei den beiden teureren Versionen wäre es schön, wenn man noch ein paar Unannehmlichkeiten ausbessern würde.

Entwickelt wurde die Software für Kinect for Windows. Wer auf den “Near-Mode” verzichten kann, kann auch die Xbox Version des Kinect Sensors verwenden (welcher bei unseren Tests auch auf relativ kurze Distanz gut funktioniert hat). Im Youtube Channel des Zentrums für Angewandte Spieleforschung der Donau Universität Krems findet man noch weitere Impressionen des Produkts.

Verfasst von am 14. Juni 2012. Abgelegt unter Am Rande. Du kannst jedem Kommentar zu diesem Artikel folgen durch RSS 2.0. Du kannst kommentieren oder zu diesem Artkel trackbacken

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