Vergangenen Donnerstag sprach Dr. Karoline Simonitsch, Expertin für digitale Medien und Geschäftsmodelle, beim Subotron pro games-Event “Eine tolle (Spiele)Idee – und nun?”. Im Anschluss daran gab es einen kurzen Vortrag der Wirtschaftskammer Wien von Sylvia Kolenz zum Thema Unternehmensgründung. Wir haben die wichtigsten Informationen der beiden Vorträge für euch zusammengestellt.

Eine tolle Idee ist natürlich viel wert und ein idealer Einstieg. Ist die Idee erst einmal ”geboren”, gilt es sich zu informieren, ob es Dies oder Ähnliches schon gibt und wie die Reaktionen darauf sind. Wichtig ist es hier, den Markt, Mitbewerber und Medien zu checken. Ein Ziel mit höchster Priorität sollte es sein, so schnell wie möglich erste (bezahlende) Kunden (Feedback, Marktresponse) bzw. Vertriebspartner zu finden. Bedenken muss man allerdings folgendes: “Games Publisher sind hochprofessionell und extrem zahlengetrieben”.

Von der Idee und/oder einem Studenten-Projekt zum Game bzw. zur eigenen Firma sind noch viele Schritte zu gehen – was gilt es auf jeden Fall gut und ausreichend zu bedenken?

  • Gründer(Team), Freunde, die ersten Mitarbeiter, Wachstum
  • Aufbau- und Ablauforganisation – wer hat welche Aufgabe/Rolle?
  • Kommunikation – Finanzierung – Organisationsstrukturen
  • Präsentieren – Verhandeln – Präsentieren – Verhandeln
  • Ehrlichkeit, Feedback und Transparenz ist gefragt: zu sich selbst und zu den (Gründungs)Partnern und MitarbeiterInnen

Erfolg hat viele “Gesichter”, doch wann ist eine Idee – ein neu gegründetes Unternehmen – tatsächlich erfolgreich? Fazit: Es kommt darauf an, was man sich selbst für (messbare) Ziele setzt (Freiheit, Wachstum, Gewinn, “Ruhm” bzw. Bekanntheit etc.).

Kultur des Scheiterns: Nicht aus jedem Menschen lässt sich ein(e) erfolgreicher UnternehmerIn formen. Manche Personen haben andere Stärken. Diese zu erkennen und auch die eigenen Ziele und Wünsche damit in Einklang zu bringen ist die Herausforderung. Niemandem ist geholfen, wenn man aus übertriebener Freundlichkeit heraus formuliert, dass man es einfach immer und immer wieder versuchen soll, frei nach dem Motto: irgendwann wird es schon klappen! Die Ursache für Erfolg oder Niederlage liegt sehr oft in uns selbst.

Eine Innovation ist die wirtschaftlich erfolgreiche Umsetzung einer Idee, die idealerweise gleichzeitig den AnwenderInnen einen neuartigen Nutzen (Mehrwert) bietet. Erfolgreiche Innovationen (und Unternehmen) haben ein klares Alleinstellungsmerkmal und heben sich sehr deutlich (positiv) von den Mitbewerbern ab.

Im Gegensatz zum “normalen” (Produkt)Marketing beginnt Innovations-, Ideen- aber auch Start-Up-Marketing bereits in sehr frühen Phasen. Dies beinhaltet z.B. die marktorientierte Kommunikation strategisch interessanter Innovationsfelder, die Suche nach unerfüllten Kundenbedürfnissen; aber auch Finanzierung und die Suche nach idealen Kooperations- und PR-Partnern. Marketing und “Verkauf” in frühen Phasen bietet Potenzial – hier sollte man nicht nur in “Sicherheitsfragen” denken.

Im Vorfeld der Gründung…

… gilt es, schonungslos ehrlich zu sich selbst zu sein und sich mit folgenden Fragestellungen intensiv zu beschäftigen:

  • Was möchte ich anbieten?
  • Welche spezifischen Qualifikationen zeichnen mich aus?
  • Was kann ich – was kann ich nicht?
  • Möchte ich als EinzelkämpferIn arbeiten, oder mit PartnerInnen in einem Team? Wenn ja, mit wem und in welcher Form?
  • Welche Unternehmensform ist geeignet und sinnvoll?
  • Welche Investitionen sind nötig? Welche laufenden Kosten fallen an?
  • Wie finanziere ich mich – das Projekt? Welche Finanzierungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung – bieten sich an?
  • Mit welchem Umsatz kann ich rechnen? Wie plane ich diesen?
  • Woher bekomme ich Hilfe – Informationen und ehrliches Feedback?

Das Wagnis Selbständigkeit kann nur gelingen, wenn die Gründer genau wissen, was sie können, was sie zur Umsetzung benötigen – und wer ihnen die Idee (das Produkt) letztlich abkauft. Dafür ist es unumgänglich, die Idee an den “Mann” bzw. an die “Frau” zu bringen – daher: Präsentieren – Pitchen – Kommunizieren – PR!

Bei der Frage, ob man ein Unternehmertyp ist, hilft der WKO “Leitfaden für Gründerinnen und Gründer”Persönliche Voraussetzungen, die man mitbringen sollte: Keine Scheu vor Druck und Stress; keine Scheu vor Krisen und Konflikten; keine Lust auf Mittelmäßigkeit; Freude am Organisieren; Lust auf Erfolg; bereit, Verantwortung zu übernehmen; Wunsch, sich von anderen abzuheben, … ; Fachliche Qualifikation; Familie.

Die wichtigsten Punkte aus dem Leitfaden:

  • Die Idee
  • Persönliche Voraussetzungen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen
  • Wirtschaftliche Grundlagen (Marketing, Rechnungswesen, Finanzierung, Förderungen)
  • Unternehmenskonzept / Businessplan
  • Sonstige hilfreiche Infos

Wichtige W-Fragen:

  • Wem bringt mein Game einen Nutzen (Mehrwert = u.a. Spaß)?
  • Warum soll gerade mein Game gespielt werden?
  • Wie unterscheidet sich meine Anwendung / mein Game / meine Programmierung von bestehenden Angeboten?
  • Wie groß ist der Markt, wie wird sich dieser entwickeln, von wem ist er schon besetzt (Konkurrenz)?
  • Welche finanziellen Mittel (Erträge – Kosten) sind nötig, um einen nachhaltigen Betrieb zu finanzieren?
  • Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gilt es zu klären?

Startup-Finanzierung: Gründertipps

Die Startup-Finanzierung kann für Gründer der alles entscheidende Punkt sein. Man soll sich nicht “nur” auf die gut ausgebaute Förderlandschaft in Wien verlassen. Hier einige wichtige Tipps (Quelle):

  • Finde einen bekannten Hauptinvestor, ihm (oder Ihr) folgen dann schnell weitere Geldgeber
  • Vorsicht beim “Anpumpen” von Freunden und Familie
  • Pitche Geschichten, nicht Zahlen: Storytelling nutzen!
  • keine Kreativität bei rechtlichen Angelegenheiten
  • bitte genau überlegen, wie viel Geld benötigt wird!

Geschäftsmodell

  • Value Propostion (welche Kundenbedürfnisse erfüllen wir, welche “Probleme” helfen wir zu lösen, welche Produkt- und Dienstleistungspakete bieten wir etc.?)
  • Key Resources (welche Schlüsselressourcen benötigen wir, Beziehungen, spezielle Programmierer etc.?)
  • Key Partners (wer sind unsere Schlüsselpartner?)
  • Channels (über welche Kanäle wollen wir den Vertrieb gestalten?)
  • Cost Structure (welche Schlüsselaktivitäten kosten wie viel?)
  • Revenue Streams (womit verdienen wir Geld?)

Zusammenfassung

  • Die Erarbeitung eines Geschäftsmodells ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensgründung!
  • Zu definieren ist das “strategische Dreieck” zwischen der GründerIn (dem Unternehmen), den Kunden und Wettbewerbern.
    • Kundennutzen und die Abgrenzung zum Wettbewerb
  • Gründungen benötigen ein ausbalanciertes Zusammenspiel aus fachlicher, persönlicher und strategisch-ökonomischer Kompetenz.

Vortrag Unternehmensgründung WKO

Im Anschluss fand noch ein Vortrag der WKW von Sylvia Kolenz zur Unternehmensgründung statt. Die wichtigsten Infos dazu, welche Services die Wirtschaftskammer Wien für UnternehmensgründerInnen anbietet u.v.m., findet ihr hier als PDF: subotron.com/media/130606_subotron_WKW.pdf.

Natürlich könnt ihr auch wieder einen Mitschnitt des Abends als MP3 nachhören. Dieses findet ihr hier.

Fotos: Jogi Neufeld