SUBOTRON pro games: Global Game Jam 2012 – Austria Community Briefing

Letzten Donnerstag fanden sich die Veranstalter des Austria Game Jams zusammen, um Revue passieren zu lassen, welche Spiele Österreich hervorgebracht hat, welche Highlights man bei der Global Game Jam finden konnte und um über die Organisation der Nordic Game Jam zu plaudern (die mit besonders viel Speck angetrieben wurde).

Jürgen Musil, Roland Moritz, Simon Wallner und David Schwingenschlögl sind das organisatorische Superteam hinter der Austria Game Jam, die seit bereits drei Jahren gleichzeitig mit der Global Game Jam Ende Jänner ausgetragen wird. Mehr zum diesjährigen Jam kann man auch in unserer Berichterstattung nachlesen, wo auch nochmal alle teilnehmenden Teams und eingereichten Spiele im Detail besprochen werden.

Bevor jedoch die Teilnehmer und ihre Spiele vorgestellt wurden, führte Jürgen ein wenig in die Magie des Game Jams ein. Die Motivation, an einem Jam teilzunehmen, ist einerseits, mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen, um an neuen, kreativen und mitunter radikal atypischen Spielen zu arbeiten. Der Vorteil der Game Jam ist, dass man nicht alleine daheim auf der Couch sitzt und Schwierigkeiten hat, sich zu motivieren. Bei der Game Jam hat man ein Team, das am selben Strang zieht und, wenn notwendig, auch den nötigen Tritt in den Hintern verpasst, wenn die Motivation niedrig ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass am Ende so einer Jam ein spielbarer Prototyp raus kommt, den man Bewerbungen beilegen und in das eigene Portfolio aufnehmen kann.

Wieso eigentlich mitmachen?

Jürgen ging dann noch näher auf das “Warum?” ein. Die Gründe sind simpel: Die Teilnahme an einem Game Jam macht einfach Spaß, bietet die Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren und neue Leute kennen zu lernen, von denen man lernen, oder denen man die eigenen Fähigkeiten präsentieren kann. Und der wichtigste Punkt: In diesen 48 Stunden lernt man, mit einem geringen Zeitfenster und unter Druck mit einem kleinen Team zu arbeiten. Am Ende hat man einen spielbaren Prototypen und das in nur 48 Stunden.

Oft stellt sich die Frage des “Wer kann bei so einem Game Jam eigentlich mitmachen?” beziehungsweise “Ist das nicht nur für erfahrene Entwickler?”. Auf die erste Frage gibt es eine eindeutige Antwort: ALLE! Jeder, der Interesse und Zeit hat und 48 Stunden mit Menschen, die eine Affinität zu Spielen haben, verbringen möchte, ist beim Game Jam immer herzlich willkommen. Auch jene, die nicht programmieren können, können an einem Game Jam teilnehmen, da es einerseits möglich ist, spielbare Paper Prototypes anzufertigen (wie auch Brett- und Kartenspiele), oder sich als Game Designer, Artist oder Sound Designer einzubringen.

Die 7 Regeln des Game Jams

Das einzige Hindernis sind die 7 Regeln des Game Jams, denen man sich unterwerfen muss:

  1. Rasches prototypen
  2. Thematischer Fokus
  3. Jeder, der beitragen kann, kann mitmachen
  4. Zeitlich begrenzt (24 oder 48 Stunden)
  5. Ad hoc Teambildung
  6. Arbeit mit den Tools, mit denen man am besten umgehen kann
  7. Präsentation des Spiels am Ende

Der Game Jam ist jedoch kein Wettbewerb, bei dem es darum geht, zu gewinnen. Viele Game Jams, wie auch die Austrian Game Jam, laden Expertenteams ein, die zu den eingereichten Spielen Feedback geben und ihren Favoriten küren. Dies soll aber nur als Ansporn und Feedback dienen und nicht den harten Wettbewerb ankurbeln. Der Event soll schließlich Spaß bereiten.

Die Themen

Jede Game Jam findet unter einem bestimmten Thema statt, das die Mit-Jammer inspirieren und als Hilfe zur Ideenfindung dienen soll. Die Themen der letzten Jahre waren 2009 – “As long as we have each other, we will never run out of problems“, 2010 – “Deception” und 2011 – “Extinction“. In diesem Jahr haben sie sich jedoch etwas Besonderes einfallen lassen. Statt eines Themas oder Satzes wurde den Teilnehmern ein Bild als Inspiration geliefert:

Ouroboros (Quelle: wikipedia)

Wer übrigens selbst einen Game Jam organisieren möchte und ein Thema zur Inspiration benötigt, kann folgenden Themen-Generator verwenden, der es einem auf Knopfdruck erlaubt, einen Spielnamen oder Thema zu generieren. Dabei kommen Highlights wie “King of Hobo Power“, “Hindu Pony 2000” oder “Blocky Llama of Fury” heraus.

Zusätzlich zu den Themen gibt es manchmal Einschränkungen, die zur Auswahl stehen. So kann sich jedes Team entscheiden, ob sie keine Grafiken benutzen, das Spiel nur durch haptisches Feedback spielbar machen, oder 3 Spieler nur einen Controller oder eine Spielfigur steuern dürfen.

Die GGJ in Zahlen

Insgesamt haben bei der GGJ 2012 10.684 Teilnehmer mitgemacht, die insgesamt 2200 Projekte eingereicht haben. Die Teilnehmer waren auf 242 Orte in 47 Ländern verteilt. Die GGJ ist somit die größte Game Jam weltweit, was ihr einen Eintrag in das Guiness Buch der Rekorde verholfen hat. Die größten teilnehmenden Städte waren dieses Mal Kopenhagen (mit der Nordic Game Jam), Curitiba (Brasilien), Atlanta (USA) und Vancouver (Canada).

Bei den deutschsprachigen Teilnehmern war eindeutig Deutschland jener mit den meisten Teilnehmern und Orten, dicht gefolgt von der Schweiz und Österreich.

Die Austria Game Jam

Die Austria Game Jam fand in diesem Jahr in einer neuen Örtlichkeit statt, nämlich in Neu Marx. Dort fanden sich 20 Teilnehmer zusammen, die gemeinsam an 7 Spielen arbeiteten. Innerhalb der 48 Stunden kamen an die 50 Besucher vorbei, die den jammenden Teilnehmern über die Schulter blickten, die Spiele testeten und am Buffet gustierten.

Eine weitere Neuerung in diesem Jahr war die Anwesenheit einer Fachjury, die am Ende alle Spiele auf Herz und Nieren prüfte und Fangfragen stellte, um ihren Favoriten zu küren. Außerdem standen noch einige Experten (Lukas Hasitschka, Kaweh Kazemi und Peter Pisarik) zur Seite, die mit Rat und Tat eingriffen, Assets erstellten und die allgemeine Moral erhielten. Mehr zu den Spielen kann man hier nachlesen. Die Titel im Überblick:

  • 1up Your Ass

Team: Jan Hackl

play!

  • Hands Off Snakey

Team: Horst Jens, Bernhard Potuzak, Christian Feldbacher

GGJ entry

  • Jormungandr

Team: Marko Jelen, David Portisch, Thomas Berghold, Florian Gnadlinger

GGJ entry

  • Kannibal

Team: Alexander Sulz, Ido Yehieli

GGJ entry

  • Leap of Faith

Team: Simon Parzer, Michael Emhofer, Michael Ari, Martin Sereinig

play!

  • October

Team: Raimund Schuhmacher, Sabine Harrer

GGJ entry

  • Snake on a Plane

Team: Elias Pschernig, Matthias Labschütz

GGJ entry

Die beim SUBOTRON Talk anwesenden Teilnehmer erklärten kurz, worum es in ihren Spielen geht, wie sie zu ihren Ideen gekommen sind und wie die Umsetzung im Verlauf der 48 Stunden ausgesehen hat. Sabine Harrer und Raimund Schuhmacher starteten den Aufruf nach der Suche nach einem Programmierer für ihr Projekt “October”. Bei Interesse meldet Euch einfach in den Kommentaren, wir leiten weiter.

Nordic Game Jam

Simon Wallner, der eigentlich zum Organisations-Team der AGJ gehört, machte in diesem Jahr eine Ausnahme und half aufgrund seines Auslandssemesters in den skandinavischen Gefilden bei der Nordic Game Jam mit. Die NGJ ist ein wenig älter als die GGJ und wird von der ansässigen ITU (technische Uni) gehosted, die einen großen Schwerpunkt auf Game Studies liegen haben. Die NGJ findet im Gebäude auf 3 Stockwerken statt und bietet eine Besonderheit: den Brettspiel-Schwerpunkt, der Teil einer jeden NGJ ist. Das Event dauert bedeutend länger als bei uns, da bereits am Donnerstag vor dem eigentlichen Event Sponsoren zur Party laden. Am Freitag werden dann die Tracks vorgestellt, sowie die Indies und großen Organisationen, die beim Jam mitwirken. Am Abend wird dann der Jam gestartet, der bis Sonntag Abend läuft. Der Unkostenbeitrag von 70 Euro mag im ersten Moment etwas hoch erscheinen, dafür inkludiert dieser die Infrastruktur, Verpflegung und ein paar andere Annehmlichkeiten. Gerade auf die Verpflegung wurde besonders viel Wert gelegt. So musste die Organisation für das Frühstück Speckstreifen sortieren – kiloweise!

Die Games der GGJ 2012

AAAAAAAARRRGGHHH!!!!! ist das erste Spiel, das live beim Subotron Vortrag vorgestellt wurde. Es gibt 4 Teams zu 4 Farben. Die Spielfiguren befinden sich auf Lauftracks. Ziel ist es, die Spielfigur der eigenen Farbe durch intensives Schreien ins Ziel zu bringen. Die Figur bewegt sich jedoch nur, wenn die eigene Farbe aufleuchtet. Schreit man, wenn der eigene Track nicht aktiv ist, strapaziert man nur die Stimmbänder. Beim Anspielen schlug die Stimmung vor Ort schlagartig um und Stadion-Feeling kam auf.

Der absolute Liebling des Abends war jedoch Two and a fjers men, wenn man dem Gelächter und Gejohle Glauben schenken darf. Hier gibt es wenig zu erklären, vielmehr ist es eines von den Spielen, die man gespielt haben muss, um zu verstehen, worum es geht. Aber schon beim Zusehen kam Groundhog-Feeling auf.

Towelfight of the Gods kann eindeutig mit dem besten Gameplay Video punkten. Zwei Götter treten gegeneinander im Zweikampf an. Deren Minions müssen in der Arena bekämpft werden. Du bist derjenige, der aus der Dusche entführt wurde, dessen Arme durch Bananen ersetzt wurden und der sich in der Arena im Kampf messen muss.

Mushroom 11 ist ein recht eigentümlicher Platformer mit Limbo-ähnlicher Ästhetik und einem Blob (wahrscheinlich ein Pilzgewächs), den man durch Beschneidung und dem darauf folgenden Wachstum durch das Level führen muss. Auch hier ist das Video zum Spiel essenziell, um Spielmechanik und Funktionsweise zu begreifen.

Infinite Space ist ein Spiel, das für die Genesis Plattform konzipiert wurde. In 3D muss man mit seinem Raumschiff Objekten ausweichen. Das Spiel punktet stark mit dem Retro-Feeling, das dabei aufkommt.

Snakeman tries his best ist ein 8-bit Roboter-Shooter, bei dem der Spieler ein Monster darstellt, das Menschen vor den Angriffen der Roboter schützen muss. Die geretteten Menschen müssen bis zum Ende der Angriffswelle überleben. Wie schwer dieses simple Ziel ist, findet man beim Spielen rasch heraus.

Mein Panzer hat nicht nur wegen seines Titels zur allgemeinen Erheiterung geführt. Ein Multiplayer Spiel, das auf verschiedenen Plattformen spielbar ist. Jeder steuert seine Panzer über feindliches Terrain. Ab und zu huscht Hitler über den Bildschirm, den man nicht erschießen, sondern nur überfahren kann.

Nakatomi Rider nutzte einen der erschwerenden Tasks – 2 Spieler spielen 2 Spielfiguren mit nur einem Controller. Beide Spieler hängen jedoch nicht nur am Controller zusammen, sondern auch im Spiel. Ziel ist es, den anderen in Hindernisse zu drängen. Gedrängelt und geschubst wird jedoch nicht nur auf dem Bildschirm.

Catch-22 bezaubert nicht nur mir seinem Konzept, sondern auch mit der simplen Grafik. Zwei Spieler bewegen sich um einen Ball und müssen kleinere Elemente aufsammeln. Mit nur einem Knopfdruck kann man hochspringen und die Elemente einsammeln. Das Spiel merkt sich jedoch die eigenen Züge der letzten Runde und so muss man in der nächsten seine eigenen, vorherigen Bewegungen im Gedächtnis behalten.

Mirror Moon ist ein wunderschön-bezauberndes Spiel, das auf dem Mond spielt. In der Ego-Perspektive kann man sich über die Oberfläche bewegen, in der rechten Hand trägt man ein waffenähnliches Objekt. Vor einem befindet sich ein weiterer Mond – mit Gebäuden und Elementen. Rasch wird klar, dass dieser Mond die Spiegelung des eigenen ist. Die Interaktion mit den Objekten und dem gespiegelten Himmelskörper gestaltet sich interessant. Auch hier der Ratschlag: Anspielen lohnt sich!

Was kommt nun?

Die nächste GGJ wird von 25. bis 27. Jänner 2013 stattfinden. Der Standort ist noch nicht fixiert, wahrscheinlich wird aber wieder das Neu Marx von den Jammern belegt werden.

Wir sehen uns dort!

Ein paar Eindrücke vom letzten Talk haben wir in unserer Bilder-Galerie für euch:

Verfasst von am 25. April 2012. Abgelegt unter Subotron Talks. Du kannst jedem Kommentar zu diesem Artikel folgen durch RSS 2.0. Du kannst kommentieren oder zu diesem Artkel trackbacken

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