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Im Rahmen der Subotron arcademy stellte am Freitag, den 11.10.2013, das Team von Serious Beats ihre Erkenntnisse über Internetnutzung und Freundschaftsstrukturen von jungen MigrantInnen in Wien dar, mit einem post-mortem des zur Erforschung des integrationsstiftenden Potenzials entwickelten “Your Turn“.

Das Team

Peter Purgathofer (Interaktionsdesign), Gerrit Götzenbrucker (Publizistik) und Vera Schwarz (Publizistik), Fares Kayali (Game Studies) war leider erkrankt. Diese vier bildeten das Kernteam und wurden weiters von Barbara Franz und Jürgen Pfeffer unterstützt. Das Projekt wurde initiiert und organisiert von Gerrit Götzenbrucker.

Das Projekt

Es geht um die Frage, in welcher Weise ein Online-Spiel die Lebenswelt, sozialen Netzwerke von jungen Menschen und deren Einstellungen zur Vielfalt in Wien beeinflussen kann. Hierfür werden positive impact games herangezogen (Peter Purgathofer), auch social impact oder serious games genannt. Mit Hilfe eines Spieles sollen Beziehungen geschaffen (zwischen Spielern), Einstellungen verändert (Spieler – Kontext) und die Medienkompetenz gestärkt werden (Spieler – Domain).

Das interdisziplinäre Team (Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Game Design, Netzwerke) ging dieser Frage mit einer ersten Interviewwelle, einer anschließenden Spielintervention mittels des eigens für diese Zwecke entwickelte Spiel “Your Turn” und einer weiteren abschließenden Fragewelle nach. Finanziert wurde das Projekt im Rahmen des WWTF “Diversität – Identität Call 2010″. Je 48 Interviews zu zwei Zeitpunkten wurden mit Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund (erste und zweite Welle) durchgeführt.

Das Spiel

Das Spiel “Your Turn” wurde eigens für das Projekt vom Spieleentwickler Platogo entwickelt. Es handelt sich dabei um ein Spiel basierend auf der Manipulation von YouTube. Zwei Spieler sind aufgefordert, abwechselnd mit kleinen Videoclips gemeinsam ein Video zu erstellen, passend zu einem vorgegebenen Thema (Channel). Es handelt sich also um die Möglichkeit einer bewussten Manipulation eines sonst eher passiv konsumierenden Mediums (YouTube), eine Art Kommunikation zwischen den Spielern mit Videoausschnitten.

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Das Fazit, die Forschungsergebnisse

Das Fazit der durchgeführten Interviews war, dass die in den Medien immer wieder transportierte schlechte Integration nicht nachgewiesen werden konnte – weder bei den Jugendlichen mit noch ohne “Migrationshintergrund”. Vielfalt wurde als Vorteil wahrgenommen und beschrieben, aber auch als Alltagsrealität. Alle an der Studie teilnehmenden Jugendlichen kamen aus der sogenannten “bildungsfernen” Arbeiterklasse, was die Frage nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse nach sich zog, ob es sich nicht eigentlich eher um eine schlechte Integration der Arbeiterklasse handelt, weniger der Minderheitenintegration.

Eine Intervention war bei allen Spielern ersichtlich, der Freundeskreis wurde zwischen ersten und zweiter Interviewwelle nachweislich erweitert, allerdings kann nicht sichergestellt werden, dass dies durch das Spiel passiert ist.

Post-mortem Your Turn

Als lessons-learned vom Spiel “Your Turn” selbst, kann vor allem die Einzigartigkeit der Idee hervorgehoben werden, die eine Abhebung von der Konkurrenz erst möglich machte. Die Jugendlichen wurden in Bereichen angesprochen, die bereits Teil ihrer Lebenswelt waren: Facebook und YouTube.

Das Spiel ist kooperativ, etwas gemeinsames wird produziert, ein Ermächtigungseffekt wird erzielt, da YouTube veränderbar wird. Trotzdem begeht das Spiel keinerlei Copyright Verletzungen.

Als negative Aspekte werden beschrieben, dass durch die Einbindung von Facebook auch eine Ausgrenzung derer entsteht, die nicht auf Facebook sind. Dies stellte zum Untersuchungszeitpunkt noch kein großes Problem dar, jetzt wäre dies schon ein größeres Problem.

Keine Zeit und Finanzen für die detaillierte Entwicklung von Tutorials und Erklärungen führten zu einer DropOut Quote zu Beginn des Spiels. Dies konnte auf Events, wenn die Möglichkeit zur persönlichen Erklärung gegeben war, aufgefangen werden.

Der Effekt der sozialen Klasse spielte auch für das Verständnis des Spieles eine wichtige Rolle. Dieser Klasse wird eine geringe Veränderungsdynamik nachgesagt und das Konzept von freier Assoziation, wo es kein richtig und kein falsch gibt, ist eher befremdlich für diese Jugendlichen.

Gegen Ende des Spieles ist es zwei Spielern gelungen das Spiel zu “kidnappen“. Es wurde ein Weg gefunden, möglichst viele Punkte zu generieren, aber auch leider gleichzeitig das Spiel für andere dadurch zu verderben. Dieses Verhalten wurde mit einem Update des Spieles unterbunden.

Das neu eingeführte Element: Man erhält ebenfalls Punkte im Rahmen eines Quiz, das die Zuordnung der erstellten Videos zu den vorgegebenen Themen abfragt. Dies setzt gleichzeitig den Anreiz, gute Videos passend für die Kanäle zu erstellen, da Befragter UND Autoren der Videos Punkte bekommen. Damit wird auch dem Problem begegnet, dass alle Spieler Videos machen wollten, aber diese danach nie wieder angesehen werden.

Das Feedback zum Projekt und Spiele war durchwegs sehr positiv. Überlegungen sind vorhanden, ob sich das Spiel weiterhin für die Jugendarbeit eignen würde. Die Zukunft ist aber noch unentschieden.

“Your Turn” ist noch immer online und kann hier gespielt werden: yourturn.fm


Mehr über das Projekt Serious Beats auch unter: igw.tuwien.ac.at/seriousbeats/Serious_Beats

Unter subotron.com/veranstaltung/multikulturalitaet findet ihr die Slides der Vorträge! Und gleich hier haben wir den Vortrag für euch als MP3 zum Nachhören:

Fotos: Jogi Neufeld