Nerd File #2: Schnurrende Sidekicks

Sidekicks werden in Literatur und Film gerne als dramaturgisches Mittel verwendet, um Hauptcharaktere Geschichten erzählen zu lassen. Der Vorteil: Man kann auf einen Erzähler verzichten, da durch die Gespräche zwischen Haupt- und Nebenfigur die Handlung vorangetrieben wird. Zusätzlich dazu werden den Machern durch den Einsatz von Sidekicks weitere Möglichkeiten wie das Ausformen der Charaktere selbst oder Einblicke in deren Gefühlswelt eröffnet. Bekannte Beispiele dafür sind etwa Sherlock Holmes und sein Sidekick Dr. Watson oder Jar Jar Binks aus Star Wars. Ebenso bekannt sind die Sidekicks in Comics – wie etwa Batmans Kumpan Robin oder sein Butler Alfred.

Natürlich gibt es auch in Videospielen Sidekicks. Doch im Gegensatz zu Literatur und Film haben diese einen entscheidenden Vorteil: die Interaktion. Damit ist es den Entwicklern möglich, die Begleiter der Hauptfigur auf unterschiedlichste Arten und Weisen einzusetzen. Vom “Lenken” des Spielers in die richtige Richtung, um ihn beim Spielfortschritt zu unterstützen, bis hin zum tatkräftigen Beistand in Kämpfen ist hier alles möglich. Anhand der beiden aktuellen Spiele Gravity Rush (PS Vita) und Sorcery (Playstation 3) möchte ich hier kurz zeigen, wie unterschiedlich Sidekicks in Videospielen verwendet werden.

Doch bevor ich auf die einzelnen Unterschiede zu sprechen komme, gibt es natürlich auch einige – mehr oder weniger – offensichtliche Gemeinsamkeiten: Am offensichtlichsten ist der Umstand, dass es sich bei den Sidekicks in diesen beiden Spielen um Katzen handelt. Doch schon alleine am Aussehen wird ersichtlich, dass sie dann doch nicht so viel gemeinsam haben:

Dusty aus Gravity Rush (links) und Erline aus Sorcery: Beides Katzen, aber doch ziemlich unterschiedlich. (Original-Bilder: gravite.wikia.com und Playstation Presse-Bildarchiv)

Dusty, die Katze in Gravity Rush ist schwarz, ihr Fell leuchtet mysteriös. Sie hat keine Augen, ähnelt von der Form her aber einer Katze, wie man sie aus dem echten Leben kennt. Erline, das Gegenstück in Sorcery, ist weiß und vom Design her gänzlich anders: Ein riesiger, buschiger Schwanz und viel markantere (Gesichts-) Züge, die sie irgendwie nicht aussehen lassen wie eine echte Katze, zeichnen sie optisch aus. Doch auch gameplay-technisch unterscheiden sich beide Katzen beinahe wie Tag und Nacht.

Dusty verleiht Kat in Gravity Rush ihre Fähigkeit, die Schwerkraft zu manipulieren. Ohne sie wäre Kat nur ein ganz normales Mädchen. Damit kommt ihr eine spiel-entscheidende Rolle zu; ohne sie würde das Spiel nicht funktionieren. Erline hingegen macht sich im Laufe der Geschichte von Sorcery nicht nur einmal über den Zauberlehrling Finn lustig. Sie verleiht ihm keinerlei Kräfte oder Fähigkeiten, sondern neckt ihn lieber. Die Dialoge laufen demnach in beiden Spielen völlig unterschiedlich ab: Sind es in Sorcery eher Streitgespräche, die den Spieler oft zum Schmunzeln bringen, so spricht Dusty kein einziges Wort. Zu lesen bekommt man als Spieler lediglich “Miaus” und “Schnurrs”. Es handelt sich also um zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, wenn die Hauptcharaktere mit ihren Sidekicks sprechen: Steht in Gravity Rush das Mysteriöse im Mittelpunkt, so basieren die Dialoge in Sorcery eher auf komödiantischen Gesichtspunkten.

Obwohl Erline oft richtiggehend gemein zu Finn ist, weist sie ihm aber doch den Weg. Für den Spieler bedeutet das, Ausschau nach der Katze zu halten und ihr zu folgen. Genau gleich funktioniert diese Mechanik auch in Gravity Rush. Beide kommen also ihrer klassichen Aufgabe eines Sidekicks in Videospielen nach, die Häufigkeit ist aber auch eine andere: Entscheidet man in Gravity Rush prinzipiell selbst, wo man hin will und gilt hier das Folgen der Katze nur zeitweise als verpflichtend, so folgt man in Sorcery der Katze viel häufiger, wird also viel mehr durch die Spielwelt geführt. Das liegt zu einem Großteil bestimmt an der Art der beiden Spiele: Gravity Rush ist ein Open-World-Spiel, wohingegen sich Sorcery eher in schlauchförmigen, linearen Levels abspielt.

Allein diese kurze Darstellung (an dieser Stelle wollte ich nicht zu viel spoilern, denn in beiden Fällen gibt es einige story-relevante Aspekte, was die Katzen betrifft) zeigt, wie unterschiedlich Sidekicks in Videospielen sein können – und wie unterschiedlich sie dem Spieler zur Seite stehen. Was ich übrigens auch noch interessant finde: Warum wurden für die beiden Spiele eigentlich keine Hunde als Partner ausgewählt? Würde ganz nach dem Motto “der beste Freund des Menschen” ja auch passen. Ist es vielleicht, weil Katzen an sich “mystischer” sind als Hunde? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich Katzen nichts sagen lassen und ihre eigenen Wege/Ziele verfolgen? Das resultiert natürlich in einer ganz anderen Art von Beziehung zwischen Hauptcharakter/Spieler und Sidekick: Hunden könnte der Spieler etwas befehlen, Katzen haben hingegen ihren eigenen Willen und führen den Spieler deshalb vielmehr, als sich von ihm führen zu lassen.

Jetzt würde mich interessieren, welcher Sidekick euch mehr anspricht! Hund oder Katz, Dusty oder Erline? Wie habt ihr denn die beiden Katzen in den oben genannten Spielen empfunden?

Verfasst von am 18. Juni 2012. Abgelegt unter nerd files. Du kannst jedem Kommentar zu diesem Artikel folgen durch RSS 2.0. Du kannst kommentieren oder zu diesem Artkel trackbacken

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