In einer tristen, grauen Welt versucht eine Person, ein Mädchen zu begeistern, das am Boden sitzt und in den Himmel blickt. Sie würdigt dieser Person keines Blickes. Diese Person bist du.

Jegliches Motivieren scheitert und so begibst du dich auf den Weg, etwas Farbe in ihr tristes Leben zu bringen. Bunte Pfeile, die in verschiedenste Richtungen weisen, geben dir einen Hinweis darauf, wo du hin musst. Die Landschaft verändert sich und so bewegst du dich manchmal durch ländliche Gegenden, manchmal auch durch steinige Kellergewölbe, aber auch durch bewohnte Gebiete. Wenn du den Pfeilen folgst, findest du am Ende ein Objekt in der Farbe des Pfeiles. Insgesamt sieben Gegenstände musst du finden und dem Mädchen bringen.

Die Schattenseite

Schon nach den ersten paar Objekten bemerkt man eine Veränderung. Jede Bewegung zieht Schlieren nach sich, die eigenen Umrisse verschwimmen und die eigene Opazität verringert sich. Man verliert an Substanz. Je mehr Kleinode dem Mädchen gebracht werden, desto weniger wird man selbst, aber auch desto bunter und lebendiger wird die Welt, in der man sich bewegt. Schon bald wächst überall Gras, die Bäume erstrahlen in neuem Glanz. Vögel und Schmetterlinge bevölkern den Level.

Am Ende bleibt Nichts von einem selbst. Das Mädchen steht endlich auf und entlässt einen weißen Vogel in die Freiheit, während man selbst immer weniger und weniger wird und sich schlussendlich in Luft auflöst. Erst dann scheint sie eine schon nicht mehr vorhandene Präsenz wahr zu nehmen.

Aufopferung oder Erinnerung

“Grey“, von Kevin McGrath, macht einen wehmütig. Je mehr man Leben in die sonst so graue, trübe Welt bringt, um die Aufmerksamkeit dieser einen Person zu erlangen, desto mehr gibt man sich selbst auf und verliert sich am Ende komplett. Am Ende des Spiels hat man nichts gewonnen, außer einer Erkenntnis. Und diese ist für jeden wohl ein wenig anders. Ist es eine Metapher über die Aufopferung eines selbst? Vielleicht wird uns hier aber auch die Geschichte aus der Sicht des Mädchens erzählt, das sich an einen lang verlorenen Freund erinnert, der ihre Welt ausgefüllt hat. Seit er nicht mehr da ist, ist diese trist. Jeder wird wohl seine eigene Interpretation finden, und das ist das schöne an “Grey”. Aus Spielspass wird schnell Introspektion. Rasch geht es nicht mehr darum, alle Objekte zu finden, sondern um die eigene Erkenntnis. Und die ist, je nach Spieler, individuell, aber nicht trivial.