Exklusiv zu Gast bei Broken Rules

Ein Teil des Teams von Broken Rules

Gestern Abend hatten wir die Möglichkeit, die Indie-Entwickler Broken Rules in Wien zu besuchen und mit Felix Bohatsch ausführlich über die Entstehungsgeschichte des Unternehmens sowie vergangene und aktuelle Projekte zu plaudern.

Vom Hörsaal in die ganze Welt

Begonnen hat alles am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung (IGW) der Technischen Universität Wien. Im Rahmen eines Game Design-Praktikums fanden sich einige Studenten (sieben an der Zahl, die in zwei Gruppen geteilt wurden) zusammen, die als Ziel für das Bestehen des Praktikums einen digitalen 2D-Plattformer-Prototypen kreieren mussten. “Ein halbes Jahr gab es viel Theorie, wir vier (Anm.: Felix Bohatsch, Jan Hackl, Peter Vorlaufer und Christoph Binder, der allerdings nicht mehr bei der Gründung von Broken Rules dabei war) arbeiteten mit Paper Prototypes und Lego”, so Felix Bohatsch gegenüber in-GA.ME und weiter: “Die Frage, die uns beschäftigte, war, wie man dem Spieler mehr Freiheit geben kann.” Neben anderen Ideen, die relativ schnell verworfen wurden, legte man sich früh auf das Kern-Spielelement fest: Die Spielwelt sollte drehbar sein. Dazu zeigte uns Felix sogar die ersten Original-Skizzen, die er, wie er sagte, erst kürzlich wieder gefunden hatte. Erstaunlich ist dabei, wie genau man sich teilweise an diese ersten Entwürfe gehalten hat.

Nach rund einem halben Jahr Arbeit an dem Prototypen “war uns klar, dass wir unser Projekt bei der Student Competition des IGF einreichen. Während der Entwicklung war unser Ziel, dem IGF gerecht zu werden. Dass es für das Bestehen des Praktikums auf der Uni reichen würde, war uns eigentlich klar”, so Bohatsch. Gesagt getan, schickten die vier Studenten ihren Prototypen mit zwei Levels ein, das Spiel wurde angenommen und es ging ab nach San Francisco, wo sie ihr Werk auf einem Messestand präsentieren konnten: “Das war total cool und irgendwie arg, wie viele Leute sich das angesehen haben!”, freut sich Felix Bohatsch. Aufgrund dessen wurde der Entschluss gefasst, aus dem Prototypen ein Spiel zu machen. Der allgemeine Tenor war “Da sollten wir unbedingt was daraus machen!”

Vom Prototypen auf PC, Mac und Wii

“Wir haben also entschieden, ein Spiel daraus zu machen – neben dem Studium”, so Felix Bohatsch, der zu diesem Zeitpunkt sein Master-Studium im Ausland absolvierte. Auf die Frage, wie dass dann funktioniert hat, meinte er: “Wir haben einfach via Skype und Blog am Spiel gearbeitet.” Schrittweise ist das Projekt dann immer seriöser geworden, man arbeitete rund eineinhalb Jahre neben dem Studium und anschließend ca. ein halbes Jahr Vollzeit an dem Spiel. Um welches Spiel es sich dabei handelt? Natürlich um And Yet It Moves, das für PC, Mac, Linux und WiiWare erschienen ist. Zuerst wurde es auf der Penny Arcade-Plattform Greenhouse veröffentlicht, dann folgte Steam. Hier gibt es einen Trailer der PC-Version von And Yet It Moves:

Rund einen Monat nach Launch des Spiels, wurde im April 2009 zu dritt – Felix, Jan und Peter – die Firma Broken Rules gegründet. Doch es sollte nicht nur bei den Versionen für PC, Mac und Linux bleiben, denn “Nintendo hat uns kontaktiert, ob wir And Yet It Moves nicht für WiiWare machen wollen”, ist Felix schon ein wenig stolz. Big N wurde nämlich auf dem Internationalen Independet Games Festival Indiecade, bei dem in zwei aufeinanderfolgenden Jahren And Yet It Moves dabei war, auf die Wiener aufmerksam.

An der Wii-Version hat das Team etwa ein Jahr lang gearbeitet, denn die technische Umsetzung war schwierig – nicht nur, weil es die erste Arbeit auf Konsolen war, sondern auch “weil wir sehr starke Perfektionisten sind und deswegen bei uns Sachen oft ein bisschen dauern können”, so Felix Bohatsch. Für die WiiWare-Version engagierte Broken Rules Josef Wiesner, der als Praktikant mit den Wii-exklusiven Bonus-Levels beschäftigt war. Auch die Steuerung wurde natürlich für Wii angepasst: Im Gegensatz zu den PC/Mac-Versionen kann man hier die Welt nämlich nicht nur in 90 Grad-Schritten drehen, sondern mit viel mehr Abstufungen. Die Umsetzung war bestimmt ein kluger Schachzug, obwohl WiiWare finanziell nicht die beste Plattform ist. Aber dadurch sprach und spricht man viele Spieler an, die eben nur auf Konsolen zocken. Außerdem spielt Felix Bohatsch, wie er im Interview betonte, die Wii-Version mit Abstand am liebsten.

So ging es mit Broken Rules weiter

And Yet It Moves hat sich am besten im Jahr 2011 verkauft. Grund dafür waren unter anderem Aktionen auf Steam sowie das Humble Bundle (Zitat Bohatsch: “Das hat’s 100.000 fach gebracht!” Er betonte aber gleichzeitig: “Unser Ziel ist ja, gute, coole Spiele zu machen und nicht Geld. Das ist ein netter Nebeneffekt!”) Nach der Wii-Version (Anfang 2010) stieß dann Clemens Scott zum Broken Rules-Team. “Bei And Yet It Moves war schon klar, dass wir einen Grafiker brauchen. Weil da waren wir vier Informatiker.”, so Bohatsch. Clemens wurde quasi über die Austria Game Jam entdeckt. Auch Martin Pichlmair kam zu dieser Zeit zu Broken Rules. Die Jungs kannten sich schon von der Uni, wo Martin Assistent war bzw. von Studio Radiolaris, die iOS Spiele entwickelten und mit denen sich Broken Rules ein Büro geteilt hatte. “Als diese Firma aufgelöst wurde, war es eine logische Konsequenz, dass wir den Martin mit an Bord genommen haben. Wir haben uns ein Büro geteilt, ihn täglich gesehen und schon gut gekannt. Dann waren wir halt fünf.”

Andrea Schmoll wurde 2011 vor allem für Kommunikationsarbeiten ins Team geholt. “Uns war ganz wichtig, dass jeder ein Teil von dem Spiel ist und dass die Person aus der Spielebranche kommt und sich mit Spielen gut auskennt. Und da haben wir mit Andy die perfekte Wahl getroffen”, betont Felix Bohatsch. Andrea Schmoll macht aber auch Game-/Level-Design und viele weitere Aufgaben bei Broken Rules. Ebenso 2011 wurde dann auch Josef Wiesner fix ins Team aufgenommen.

Das derzeitige Team

  • Felix Bohatsch: verantwortlich für Game Design und Management
  • Clemens Scott: Graphics Artist, aber auch Kommunikation, Game Design und Musik
  • Jan Hackl: Level-Design, Coder
  • Peter Vorlaufer: Technical Lead und CFO
  • Martin Pichlmair: Programmierer, Game Design, Kommunikation
  • Andrea Schmoll: PR, Community Management, Game-/Level-Design
  • Josef Wiesner: Level Builder

Aufgrund des relativ kleinen Teams und vor allem wegen der flachen Hierarchie bei Broken Rules vermischen sich die Aufgaben der Team-Mitglieder jedoch häufig, und irgendwie macht jeder eh (fast) alles.

Auf in die Alpen – daran arbeitet Broken Rules im Moment

Chasing Aurora Conecpt Art

Für ihr aktuelles Projekt bekam Broken Rules eine Förderung von der Technologieagentur der Stadt Wien  (ZIT), um eine eigene Engine zu entwickeln. Der Grund, warum man eine solche entwickelt hat, ist die Plattformunabhängigkeit. Und natürlich auch, dass die Entwicklung weiterer Spiele, die auf der selben Engine basieren, bei weitem schneller vonstatten gehen wird. Mit der hauseigenen Engine sollen nämlich mehrere Spiele verwirklicht werden. “Geplant ist, dass das eine Serie von Spielen wird, wahrscheinlich zwei bis drei. Es wird aber nicht Chasing Aurora 2! Wir wollten schon bei And Yet It Moves nie einen zweiten Teil machen, obwohl das durchaus sinnvoll gewesen wäre, weil wir was Neues machen wollten. So wird’s uns sicher auch nach Chasing Aurora gehen”, so Felix Bohatsch. Gleichzeitig (im Herbst 2010) mit den Arbeiten an der Engine hat man mit eben diesem neuen Projekt, Chasing Aurora, begonnen. Das Spiel wird noch 2012 erscheinen – für welche Plattformen ist noch geheim, ebenso der genaue Release-Termin.

Angesiedelt ist die Spielwelt von Chasing Aurora in den Alpen und es geht darum, den Ur-Menscheitstraum vom Fliegen wahr werden zu lassen. Es handelt sich also um ein Flugspiel, der Spieler verkörpert einen Vogel. Mehr dürfen wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Nur so viel: Wir haben es bereits gespielt und das Spiel überzeugt bereits jetzt! Man darf also auf das fertige Produkt gespannt sein!

Eine Sache hätte Felix Bohatsch während unseres Gesprächs beinahe vergessen. Broken Rules hat nämlich noch ein weiteres Spiel entwickelt: Globetrotters, ein iPad Spiel, das es gratis zum herunterladen gibt!

Verfasst von am 9. Februar 2012. Abgelegt unter Entwickler & Publisher. Du kannst jedem Kommentar zu diesem Artikel folgen durch RSS 2.0. Du kannst kommentieren oder zu diesem Artkel trackbacken

Eine Antwort zu Exklusiv zu Gast bei Broken Rules

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