Das kleine Gameboy Music Tutorial

Der Gameboy Music Club (GBMC) feiert 10 jähriges Bestehen – wir berichteten. Wir nehmen dies zum Anlass für ein kleines Chiptunes Special, in dem wir Schritt für Schritt zeigen, wie ein 8bit Song zustande kommt. An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Irene Grabherr vom GBMC bedanken. Sie hat sich netterweise die Zeit genommen, um uns eine Einführung in die Welt der Gameboy Sounds zu geben – und dieses kurze Tutorial somit erst ermöglicht. Weiters möchten wir darauf hinweisen, dass es sich hierbei nicht um einen umfassenden Lehrgang in Sachen 8bit Musik handelt. Viel mehr erklären wir einen Weg (von vielen möglichen) wie man schnell zu einem ersten Lied kommt – am besten folgt ihr unserem Tutorial gleich mit einem Gameboy!

1. Die Hardware

Um 8bit Musik zu machen, sollte man entweder eine Videospiele Konsole aus der 8bit Ära (wie NES, Nintendo Gameboy, Commodore 64, o.ä.) besitzen, oder ein entsprechendes Midi Tool für den PC. In diesem Tutorial verwenden wir natürlich einen Gameboy und/oder Nintendo DS. Zusätzlich zur Konsole ist es zu empfehlen einen ordentlichen Lautsprecher an den Kopfhörerausgang des Geräts zu hängen. Es ist erstaunlich, wie gut so ein kleiner Soundprozessor klingen kann, wenn man den Schall richtig verstärkt.

2. Die Software

Es gibt verschiedenste Tools um mit dem Gameboy Musik zu erzeugen. Die wohl bekanntesten davon sind Nanoloop und Little Sound DJ (LSDj). Nanoloop ist ein Loop-basierter Sequencer während LSDj ein Tracker ist. Da wir Anfänger auf dem Gebiet der elektronischen Musik sind, wurde uns empfohlen, Nanoloop zu verwenden. Es ist damit deutlich simpler, erste Erfolge zu erzielen. Die jeweiligen Programme können auf den Herstellerseiten bezogen werden.

3. Der Track

Um Enttäuschungen vorzubeugen, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Endprodukt dieses Tutorials kein vollständiger Song sein wird, sondern ein Loop den man durch kleine Variationen zu einem kompletten Track vervollständigen kann. Nun gut, lasst uns die Software starten und mit dem Musizieren beginnen.

Noch ein kleiner Tipp aus der Gebrauchsanweisung: Startet die Anwendung mit einem Druck auf die Starttaste, da es mit bestimmten anderen Tastenkombinationen möglich ist, dass man z.B. den Speicher formatiert.

Das Programm zeigt beim Einstieg ein Raster mit 4×4 Quadraten. Das Raster zeigt unseren derzeitigen Loop. Zu Beginn ist dieser Loop leer, weswegen man auch nichts hört. Das wollen wir ändern. Abhängig von der verwendeten Nanoloop Version wird auch eine von zwei Menüleisten angezeigt. Sollte kein Menü angezeigt werden, befinden wir uns wahrscheinlich schon im Editiermodus. Mittels SELECT-Taste kommt man in den Menü Modus. Es sollte dasselbe Menü wie in der unteren Abbildung ersichtlich angezeigt werden. Sollten andere Symbole am Bildschirm erscheinen, bringt ein weiterer Druck auf die SELECT-Taste die korrekten Funktionen zum Vorschein.

Als erstes wollen wir gleich Klang erzeugen. Dazu müssen wir zunächst einen von vier Kanälen wählen. Kanäle werden links oben, neben dem Raster angezeigt (auf unserer Abbildung ist beispielsweise Kanal “r” aktiv). Die Kanäle sind mit den Buchstaben “l”, “r”, “s” und “n” betitelt. Die verschiedenen Kanäle bieten verschiedene Klangeigenschaften. Der wichtigste Unterschied ist, dass “r” und “l” monophone Stimmen sind, “s” Mehrstimmigkeit unterstützt und “n” dagegen ein “Noise” Kanal ist. Für weitergehende Infos empfehlen wir die Herstellerseite von Nanoloop, da wir hier nicht näher auf dieses Thema eingehen werden.

Wir wählen zunächst Kanal “l” – vom Menü aus mit Steuerkreuz auf oder ab -, um einen Beat zu erstellen. Das selektierte Menü-Icon spielt in diesem Fall keine Rolle. Die Wahl des Kanals sollte von überall im Menü funktionieren. Wir beginnen mit einem einfachen Beat. Dies wird das Äquivalent zu einer Base Drum in einem Popsong. Danach wählen wir das kleine Noten-Symbol mit links und rechts am Steuerkreuz. Was die Note genau macht, erklären wir gleich. Zunächst wechseln wir zum Sequenzer (dem 4×4 Raster) mit einem Druck auf die B-Taste.

Bitte beachtet: Dieses Tutorial wurde mit Nanoloop 2.5 erstellt. Ältere Versionen könnten andere Tastenbefehle verwenden. Falls etwas nicht auf Anhieb funktioniert, bitte in der Gebrauchsanweisung nachschlagen.

Nun setzen wir die Markierung auf das erste Feld in der 1. Spalte (siehe Bild).

 

Mit einem weiteren Druck auf die B-Taste setzen wir unseren ersten Ton. Gratulation! Sobald der Sequenzer den Loop an der entsprechenden Stelle durchläuft – d.h. das dunkle Feld ist auf dem Ton, den wir gesetzt haben – sollte schon der erste Klang zu hören sein. Dies passiert automatisch und ohne weiteres Zutun. Wir wiederholen den Vorgang für die drei anderen Kästchen in der 1. Spalte. Nun haben wir schon unseren ersten Beat. Leider klingt das Ganze noch nicht sehr nach Base Drum. Wir müssen den Ton editieren.

Dazu springen wir mit der SELECT-Taste zurück ins Menü. Das Notensymbol sollte bereits gewählt sein. Falls nicht, wählen wir es jetzt mit links oder rechts. Die Symbole im Menü stellen verschiedene Editierfunktionen dar. Die gewählte Note verändert die Tonhöhe. Man kann sowohl einzelne als auch alle Töne eines Kanals auf einmal editieren. In diesem Fall wollen wir alle Töne im Kanal “l” tiefer machen. Dazu halten wir die B-Taste gedrückt und verwenden das Steuerkreuz nach unten um Halbtonschritte auszuführen, oder nach links, um den Ton oktavenweise zu senken. Betätigt man das Steuerkreuz in die jeweilige Gegenrichtung, erhöht man den Ton entsprechend.

Nachdem wir eine Tonhöhe gefunden haben, die uns gefällt, kümmern wir uns darum, den Ton etwas zu kürzen. Wir wollen ein “kickendes” Geräusch. Wir wählen dazu das Volume/Envelope Tool (siehe Bild unten) aus.

 

Wir halten ein weiteres Mal die B-Taste gedrückt und kürzen mit links am Steuerkreuz die Tondauer. Fertig ist unsere Base Drum.

Als nächstes wollen wir eine Hi-Hat einfügen. Wir wählen dazu zunächst den Noise Kanal “n”. Zur Erinnerung: Die Kanäle lassen sich mit Steuerkreuz nach oben oder unten auswählen. Wichtig ist dabei, keine anderen Tasten gedrückt zu halten. Danach wechseln wir wieder mit der B-Taste zum Sequenzer. Wir füllen die komplette 3. Spalte mit Noise. Je nach Geschmack können wir auch hier den Klang – ähnlich wie bei der Base Drum – etwas anpassen.

Zur Vervollständigung des Schlagzeugs fehlt jetzt nur noch eine Snare-Drum. Für diese bleiben wir im Noise Kanal. Allerdings wählen wir ein anderes Editiertool. Falls wir uns also nicht im Menü befinden, kehren wir mit der SELECT-Taste dahin zurück. Wir wählen das Filter-Cutoff Tool (siehe Bild unten) und wechseln mit der B-Taste zum Sequenzer.

 

Nun setzen wir einen weiteren Ton in die 2. Zeile der 1. Spalte. Damit unsere Snare-Drum nicht gleich klingt wie die Hi-Hat, müssen wir den gesetzten Ton editieren. Die komplette 3. Spalte ist allerdings mit unseren Hi-Hat Sounds gefüllt. Aus diesem Grund editieren wir jetzt den gesetzten Ton einzeln. Dazu bleiben wir mit dem Selektions-Quadrat einfach auf dem eben erst gesetzten Objekt. Bei gedrückter B-Taste verstellen wir nun mit dem Steuerkreuz in beliebiger Richtung den Filter, der über unserem Klang liegt. Das Ganze ist eine Gefühlsangelegenheit und daher wollen bzw. können wir an dieser Stelle nicht beschreiben, was man genau machen sollte um einen guten Klang zu erzeugen. Es ist – wie so oft mit kreativen Prozessen – einfach eine “Spielerei”.

Sobald unser Ergebnis halbwegs stimmig ist, duplizieren wir den Ton. Dazu schneiden wir ihn zunächst mittels A-Taste aus. Ein weiterer Druck auf die A-Taste fügt den Ton wieder an der gleichen Stelle ein. Wir selektieren das Quadrat in der 4. Zeile der 1. Spalte und drücken erneut die A-Taste. Et voilà, der modifizierte Ton erscheint auch an dieser Stelle. Damit ist unser Schlagzeug komplett.

Nun kümmern wir uns um den Bass. Wir gehen zurück ins Menü und wechseln erneut den Kanal. Dieses Mal wählen wir “r“. Wir springen zurück zum Sequenzer und füllen die gesamte 1. Spalte. Zusätzlich setzen wir noch einen einzelnen Ton in die 1. Zeile der 3. Spalte. Wir wechseln erneut zurück ins Menü um den Klang anzupassen. Wir wählen das Noten-Symbol, um die Tonhöhe zu ändern. Mit gedrückter B-Taste und dem Steuerkreuz nach unten bzw. links senken wir den Ton. Wir wechseln zum Volume/Envelope Tool und verlängern den Ton mit gehaltener B-Taste und Steuerkreuz nach rechts. Sind wir mit unserem Bass zufrieden, wählen wir noch einmal die Note und wechseln zum Sequenzer. Wir wollen den Bass etwas variieren. Wir wählen den Ton, den wir in der 1. Zeile der 3. Spalte erstellt haben, und verändern die Tonhöhe mit gehaltener B-Taste und einem Druck nach links oder rechts auf dem Steuerkreuz um eine Oktave. Ob wir den Ton höher oder tiefer machen, hängt davon ab, wie tief wir unsere Töne in der 1. Spalte bereits gemacht haben. Wir verwenden die A-Taste, um den so veränderten Ton auszuschneiden, und verwenden dieselbe noch einmal um die gesamte 3. Spalte zu füllen.

Um den Loop zu vervollständigen, gehen wir noch ein letztes Mal zurück ins Menü und wählen Kanal “s“. Nun fügen wir nach Belieben Töne ein und verändern diese bis wir eine Melodie haben, die uns gefällt.

Das klingt doch schon gut. Nun, da wir unsere harte Arbeit nicht verlieren wollen, kümmern wir uns als nächstes ums Speichern. Falls wir nicht schon dort sind, wechseln wir jetzt vom Sequenzer zurück ins Menü. Dort ändern wir das Menü mit einem weiteren Druck auf die SELECT-Taste. Es sollte nun so aussehen wie auf dem Bild unten.

 

Wie ebenfalls auf dem Bild ersichtlich, wählen wir das 1. Symbol. Mit einem Druck auf die B-Taste kommen wir zum File Menü. Warnung: Im File Menü sollte man nicht willkürlich mit Tastenkombinationen herumspielen. Es könnte passieren, dass man den derzeitigen Loop aus Versehen löscht.

Im File Menü kann man aus 128 Speicherbänken wählen. Die gewählte Bank wird mit einer Zahl links oben angezeigt (siehe Bild unten). Jede Speicherbank besitzt 15 Slots die von 1 bis F durchnummeriert sind. Ganz links neben den Slots stehen die Bezeichnungen der einzelnen Kanäle – “r”, “l”, “s” und “n”. Das File Menü erlaubt jeden Kanal einzeln oder aber alle Kanäle auf einmal abzuspeichern. Slot 0 ist immer leer und erlaubt das Löschen eines oder aller Kanäle durch Laden des Slots.

 

Da wir bereits alle Kanäle gefüllt haben, speichern wir alle auf einmal. Dazu wählen wir zunächst den ersten Slot mit dem Steuerkreuz (der gewählte Kanal ist in diesem Fall nicht relevant). Danach halten wir die A-Taste und drücken am Steuerkreuz nach unten. Es ist wichtig, nicht nach oben zu drücken, da sonst unser Loop mit den gespeicherten Daten überschrieben wird. Ist der Speichervorgang erfolgreich, werden die verwendeten Speicherbänke dunkel hinterlegt. Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass wir einzelne Kanäle speichern können, indem wir die B-Taste gedrückt halten und das Steuerkreuz nach unten betätigen. Geladen wird – wie weiter oben beschrieben – mit der jeweils gehaltenen Taste und nach oben.

Nach dem Speichern kehren wir mit der START-Taste ins Menü zurück. Nun verändern wir ein wenig den Bass und die Melodie des Loops (Kanäle “r” und “s“) und speichern die Ergebnisse in anderen Slots ab. Also wählen wir im File Menü Spalten, die noch keine dunkel hinterlegten Zahlen enthalten. Es ist ebenfalls wichtig, dass die Speicherbank (Zahl links oben im File Menü) nicht geändert wird. Der Song Editor, den wir verwenden werden, um das gesamte Lied zu erstellen, greift nämlich nur auf die gerade aktive Speicherbank zu.

Haben sich genügende Loops im Modulspeicher angesammelt, wechseln wir in den Song-Editor. Dazu wählen wir das 2. Symbol in Menü 2 (siehe Bild unten).

 

Der Editor lässt sich mit Druck auf A- oder B-Taste öffnen. Im Song Editor haben wir ähnlich wie im File Menü jeweils eine Zeile für jeden Kanal. Der Kennbuchstabe des gewählten Kanals wird links oben in der Ecke angezeigt (siehe Bild unten). Mit gehaltener B-Taste und dem Steuerkreuz nach oben oder unten können wir den Speicherslot wählen, dessen Pattern wir an der jeweiligen Stelle gerne einfügen würden. Zur Erinnerung: Speicherslots sind mit den Ziffern 1 bis F gekennzeichnet. Im Songeditor selbst kann man “nur” gespeicherte Patterns der derzeitig aktiven Speicherbank verwenden. Die Speicherbank wählt man im File Menü.

 

Um bei wiederkehrenden Beats nicht ständig die gleichen Ziffern wählen zu müssen, bietet Nanoloop die Möglichkeit mit gehaltener B-Taste und einem Druck auf links oder rechts am Steuerkreuz das selektierte Pattern ins nebenstehende Feld zu übernehmen. Die START-Taste startet und stoppt die Wiedergabe des Lieds. Mittels SELECT-Taste speichert man den Song und kommt ins Menü zurück. Wichtig: Lieder werden nicht automatisch gespeichert. Schaltet man den Handheld aus, während man sich noch im Song-Editor befindet, gehen sämtliche Änderungen verloren!

Das war’s auch schon mit dem Tutorial. Wir hoffen, wir sehen uns vielleicht heute (04.10.2012) im Rhiz bei der 10 Jahre GBMC Feier.

(Bilder aus dem Programm: www.nanoloop.com)

Verfasst von am 4. Oktober 2012. Abgelegt unter Insider. Du kannst jedem Kommentar zu diesem Artikel folgen durch RSS 2.0. Du kannst kommentieren oder zu diesem Artkel trackbacken

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